Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Gattung

(7,670 words)

Author(s): Huber, Martin | Kirchner, Thomas | Edler, Arnfried
1. Definition G.-Termini sind abstrakte Begriffsfiktionen, also vom einzelnen Phänomen hergeleitete Vorstellungen, die der Organisation und Kommunikation von Wissen dienen. In der naturwiss. Wissensorganisation ist G. (lat. genus, griech. génos) der Sammelbegriff für individuelle Naturkörper, die durch gemeinschaftliche Merkmale zu einer Art gehören. In Zoologie, Botanik und Mineralogie werden G. in der Nomenklatur der Systematik wiederum in Gruppen, Familien, Ordnungen und Klassen weiter gegliedert. Das dt. Wort G., zunäch…

Gaunersprache

(10 words)

s. Sondersprache

Gebäranstalt

(1,297 words)

Author(s): Keunecke, Susanne
1. Allgemein Die G. war eine klinische Einrichtung zur Entbindung vorwiegend lediger Mütter (Ledige), in Deutschland schwerpunktmäßig mit praktischer Lehr- und Ausbildungsfunktion für Hebammen, Chirurgen und Mediziner (Medizinalpersonen), die sich in weiten Teilen Europas seit Mitte des 18. Jh.s verbreitete. Andere Bezeichnungen dafür waren dt. »Accouchieranstalt« bzw. »Accouchier-Hospital« (franz. accoucher, »entbinden«), Entbindungsanstalt bzw. -klinik, franz. maternité, engl. lying-in hospital. Die Gründung von G. stand im Zusammenhang mit der Herau…

Gebärmutter

(996 words)

Author(s): Jarzebowski, Claudia
1. Allgemein Die G. (Uterus) galt den medizinischen Gelehrten vor 1500, vor der Zeit der großen Sektionen (Anatomie) als ein zentraler und metaphorisch aufgeladener Ort in weiblichen und – manchmal – männlichen Körpern. Der schwangere Mann bildete in den gelehrten Vorstellungen zwar die Ausnahme, war aber denkbar, denn die G. wurde bis ca. 1600 in aristotelischer Tradition vorwiegend als nach innen gewendeter Penis verstanden, erst danach stärker als anatomisch bestimmtes, geschlechtsspezifisches Organ (in der Tradition des griech.-röm. Arztes Galen). Die G. wurde wahlw…

Gebet

(2,594 words)

Author(s): Grethlein, Christian | Fischer, Michael | Felmy, Karl Christian
1. Einleitung Das G. (lat. oratio, preces), religionswissenschaftlich gesehen die »dialogische Zuwendung eines Menschen zu seinem Gott, um ihm das eigene Dasein in seiner Bedürftigkeit oder Zufriedenheit als den Wirkungsbereich ›dieses‹ Gottes darzustellen« [3. 32], ist eine grundlegende Kommunikationsform des Menschen. Das G. ist sowohl Ausdruck persönlich-individueller (privates G.) als auch institutionell organisierter Praxis (liturgisches G.; vgl. Gottesdienst), wobei beide Bereiche einander in den verschiedenen Religionen a…

Gebetbuch

(2,020 words)

Author(s): Fischer, Michael | Matthias, Markus
1. Allgemeine Charakteristika G. (ältere dt. Form: Betbuch) bezeichnet eine handschriftlich oder gedruckt in Buchform vorliegende Sammlung von Gebeten. Es gehört wie das Gesangbuch, mit dem es häufig kombiniert wurde, zur Erbauungsliteratur. G. entstanden bereits seit dem frühen MA. Während das Judentum nachweislich seit dem 9. Jh. handschriftliche G. (Siddur) für das gemeinsame Synagogen-Gebet oder das private Gebet kannte, sind seit dem 8. Jh. christl. G. für den Klerus und andere Personen des geweihten (z. B. monastischen) Lebens ( Stundenbuch, Marienzyklen) sowie …

Gebirge

(1,165 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Allgemein G. sind tektonische Erhebungen, die sich durch ihr landwirtschaftliches Nutzungssystem, ihre Agrarverfassung sowie ihre soziale Organisation deutlich von ihrem tiefer gelegenen Umland unterscheiden. Zudem stellte und stellt ihre Erschließung und Überquerung vielfach eine verkehrstechnische Herausforderung dar (Alpenübergänge). Seit F. Braudel seine Geschichte des Mittelmeers antithetisch mit dem Kapitel »Zuerst die Berge« beginnen ließ [1], wurde deutlich, dass die engen Austauschbeziehungen von Hochländern mit Tiefländern einen wichtig…

Geblüt

(1,380 words)

Author(s): Wrede, Martin
1. Definition Das Wilhelmuslied, die niederl. Nationalhymne, feiert nicht nur das »deutsche«, sondern, oft übersehen, auch das »edle Blut« des Statthalters aus dem Hause Nassau und Führers des Niederländischen Aufstands (1568–1648), Wilhelm von Oranien. Gemeint ist damit seine Abkunft von »kaiserlichem Stamm«, welche die eminenten persönlichen Qualitäten des Fürsten gleichsam begründet. Dies war nicht nur das Verständnis des Dichters Marnix van Sint Adelgonde, sondern weithin auch das der gesamten Frühen Nz., z. T. bis ins 18. Jh. hinein: Das Blut, so meinte man, übert…

Gebrauchtwarenhandel

(12 words)

s. Trödel | Wiederverwertung

Geburt

(1,071 words)

Author(s): Labouvie, Eva
1. Schwangerschaft und Geburt Die G. bildet den Abschluss der von Regeln, Pflichten und Imaginationen begleiteten Phase der Schwangerschaft. Neben der von Hebammen und seit dem 18. Jh. auch von männlichen G.-Helfern in den Städten und Gebäranstalten geleisteten G.-Hilfe ( Obstetrik) sowie den von der helfenden Frauengemeinschaft durchgeführten Geburtsritualen wurde die G. als »Arbeit« der gebärenden Frau, als »Geburtsarbeit« angesehen – so bezeichnete man das Gebären nachweislich seit dem 15. Jh. [4. 109–129]. Bislang hat sich die europ. und außereurop. Forschung …

Geburtenkontrolle

(10 words)

s. Empfängnisverhütung

Geburtshilfe

(16 words)

s. Geburt | Gynäkologie | Hebamme | Obstetrik

Geburtsritual

(925 words)

Author(s): Labouvie, Eva
1. Rituale während der Geburt Die Geburt eines Kindes war ein körperliches, emotionales und symbolhaftes Ereignis und zugleich eine sinnstiftende Interaktion unter Frauen. Im frühnzl. und nzl. Europa gab sie nicht nur Anlass zur praktischen Hilfe, sondern stets auch zur Identifikation, Selbstthematisierung und kulturellen Modellierung von Bedeutungen – etwa von Leben und Tod, Glück und Not, Freude und Schmerz, Menschsein und Menschwerdung. Kaum ein anderes Ereignis, nicht einmal die Heirat, kannte bis ins beginnende 20. Jh. mehr Feste, Rituale und Zusammenkünfte. Die sich u…

Geburtstag

(10 words)

s. Jubiläum

Gedächtnis

(3,238 words)

Author(s): Andres, Jan | Leppin, Volker
1. Definition Unter G. (lat. memoria, Ort aller G.-Inhalte) versteht man allgemein einen Vorrat (Inhalte) und Speicher (Medien) von Wissen über die Vergangenheit, der durch den Prozess der Erinnerung (Anamnese) abgerufen bzw. aktualisiert werden kann. Fast alle G.-Theorien suchen nach den Verbindungen des Thesaurus-Modells mit dem eigentlichen Akt des Erinnerns. Seit Aristoteles sind G. und Erinnerung ein Bestandteil der Rhetorik unter dem Stichwort der ars memorativa (»G.-Kunst«). Die Mnemonik gehört zur Redekunst, weil sie als Technik Voraussetzung für den …

Gedenktag

(10 words)

s. Jubiläum

Gefängnis

(769 words)

Author(s): Henze, Martina
Der Begriff G. wird im modernen Sprachgebrauch synonym mit dem der Justiz- bzw. Strafvollzugs-Anstalt verwendet. Er entwickelte sich sprachgeschichtlich aus dem Verb »fangen« und bezeichnete zunächst den Vorgang des Einfangens und Gefangenhaltens, seit dem ausgehenden MA auch den Ort, an dem Gefangene durch physischen Zwang, etwa durch Mauern und Ketten, festgehalten wurden. Mit dem Aufkommen der Freiheitsstrafe ab dem ausgehenden 15. Jh. in Europa erweiterte sich die Wortbedeutung hin zu einem Ort der Strafvollstreckung. Von der entstehenden Gefän…

Gefängniskunde

(687 words)

Author(s): Henze, Martina
Der Begriff G. wurde in den 1820er Jahren von dem Hamburger Arzt Nikolaus Heinrich Julius geprägt [2]. Es handelt sich um die dt. Bezeichnung für den Gefängnisreformdiskurs des ausgehenden 18. und 19. Jh.s in Europa und Nordamerika, der in der neueren Forschung einige Beachtung gefunden hat [5]; [3]; [6]. Die Zeit von ca. 1770 bis 1810 lässt sich als Vorbereitungsphase charakterisieren, in der die Frage nach dem Zustand der Gefängnisse erstmals in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rückte. Vor dem Hintergrund der sich verändernden Auffassungen von Strafrecht und Stra…

Geflügel

(12 words)

s. Viehwirtschaft | Vogelhaltung

Gefühl

(2,559 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang | Leppin, Volker
1. Allgemein 1.1. Probleme der Definition Unter »Fühlen, Gefühl« verstand noch Zedlers Universallexikon in der Mitte des 18. Jh.s »einen der fünf äußerlichen Sinne, der sich über den ganzen Leib ausbreitet« [1], also den Tastsinn (lat. tactus). Emotionen wie Liebe, Eifersucht, Neid, Melancholie oder Traurigkeit, die man heute unter dem Begriff G. subsumieren würde, werden hingegen als »Gemüths-Neigung«, als »Gemüths-Beschaffenheit« oder als »Gemüths-Bewegung« beschrieben. G. sind tief in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit verankert. Sie sind als Grun…
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