Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Gabe

(718 words)

Author(s): Gareis, Iris
Der Begriff G. umfasst zwei Bedeutungsebenen: Im figurativen Sinn bezeichnet G. eine Fähigkeit, die auf Veranlagung beruht, wie z. B. die G. der Redegewandtheit. Im Wortsinn bedeutet G. etwas, das gegeben wird. In dieser Bedeutung ist die G. ein kulturübergreifendes Phänomen. Im religiösen Bereich richtet sich die G. als Opfer an die göttliche Sphäre und wird i. Allg. als Erwiderung einer G. verstanden, die den Gläubigen bereits zuteil wurde. Im Unterschied zum Geschenk, das keine Gegenleistung vom Beschenkten fordert, verpflichtet der Empfang einer G. zur Gegen-G. Somit…

Gaffeln

(10 words)

s. Rat

Galante Literatur

(1,248 words)

Author(s): Niefanger, Dirk
1. Galanterie als europäisches Konzept Innerhalb der Kulturgeschichte der Frühen Nz. bezeichnet der Begriff G. L. eine wichtige europ. Literatur-Strömung im 17. Jh. und zu Beginn des 18. Jh.s; in Deutschland dominierte die G. L. die Dichtung zwischen Barock und Aufklärung. Sie reduzierte die barocke Rhetorizität der Texte, verminderte gelehrte Anspielungen und setzte so auf eine bessere Verständlichkeit der dichterischen Sprache; zur Musik vgl. Galanter Stil. Konstitutiv für G. L. ist die Galanterie, ein Verhaltens- und Kommunikations-Ideal, das – auf der Hofmann-Lite…

Galanter Stil

(724 words)

Author(s): Waczkat, Andreas
Mit dem Begriff G. S. verbindet die Musikgeschichtsschreibung Kompositionen der Übergangszeit vom Barock zur Klassik (Klassiken, europäische). Wesentlich für den G. S. ist die Abkehr vom gelehrten Barockstil mit seinen strengen kontrapunktischen Formen (Kontrapunkt), verdeutlicht etwa durch Christian Friedrich Hunolds Ausspruch, ein ausgekünsteltes Wesen verderbe alle Galanterie [1. 157]. Äußerliches Merkmal ist eine zierliche und elegante Gefälligkeit; es lässt sich damit eine Beziehung zwischen dem G. S. und dem Rokoko (1720–1780) herstellen. Die Begriffsb…

Galerie

(902 words)

Author(s): Hoppe, Stephan
1. Einleitung Die G. als nzl. Raumtypus im europ. Schloss-Bau ist ein langgestreckter Promenier- und Schauraum. Im Gegensatz zur typologisch und funktional verwandten Loggia in Italien (vgl. die Vatikanischen Loggien, um 1518) ist die G. geschlossen. Sie ist mindestens an einer Langseite stark durchfenstert und kann inszenierte Ausblicke in die Landschaft gewähren. Obwohl die G. wie ein Korridor zwei Schlossbereiche verbinden kann, besteht ihre Hauptfunktion darin, die Besucher durch den Ausblick und die dort gezeigten G…

Galgen

(10 words)

s. Todesstrafe

Gallikanismus

(732 words)

Author(s): Wassilowsky, Günther
1. Begriff Der erst vom Ultramontanismus des 19. Jh.s geprägte Terminus G. (von mlat. gallicanus, davon franz. gallicanisme) fasst eine Vielzahl von Theorien und Praktiken zusammen, welche die Freiheit und Eigenständigkeit der franz. Kirche gegenüber dem universalen Jurisdiktionsanspruch des Papsttums begründen und durchsetzen wollten. Unterschieden werden können stärker theologisch argumentierende »episkopale Gallikanismen« ( Episkopalismus), welche die territorialkirchliche Unabhängigkeit von der Würde des Bischofsamtes herleiten, und eher juristisch …

Galvanismus

(781 words)

Author(s): Hochadel, Oliver
G. bezeichnet ein Feld von Erscheinungen, Experimenten und Erklärungsversuchen, das um 1780 entstand und sich ab ca. 1800 in die Felder Elektrochemie und Elektrophysiologie differenzierte. Schon seit den 1740er Jahren fragten sich die Naturforscher nach der Bedeutung der Elektrizität (= El.) für Organismen. In der Elektromedizin versuchte man dieses eigenartige »Fluidum« therapeutisch einzusetzen. Ob El. so etwas wie ein »Lebensprinzip« war, blieb bei Versuchen mit Menschen und Tieren aber zunächst Spekulation ( Tierversuch). Auch der Bologneser Naturforscher und Med…

Gant

(10 words)

s. Konkurs

Ganzes Haus

(14 words)

s. Haus, ganzes

Garn

(10 words)

s. Textilien

Garnisonsstadt

(770 words)

Author(s): Kroll, Stefan
Der aus dem Französischen stammende Begriff Garnison bezeichnet nach der Definition bei Krünitz im 18. Jh. »die Mannschaft oder de(n)jenige(n) Haufen Soldaten, womit ein Ort besetzt wird, um ihn gegen Feinde zu vertheidigen, oder zu bewachen, zugleich auch, um die Einwohner in Gehorsam zu erhalten« [1. 143 f.]. Während des Dreißigjährigen Krieges hatten zahlreiche Staaten und Territorien in Europa mit der Aufstellung dauerhafter Truppenverbände begonnen, die nach dem Ende eines Feldzuges nicht mehr entlassen wurden ( Stehendes Heer). Strategisch wichtige Standorte, …

Garten

(5,128 words)

Author(s): Bischoff, Harald | Kalusok, Michaela | Wiener, Jürgen
1. Nutz- und Ziergärten 1.1. Allgemeine Entwicklung Der Ausdruck »G.« ist vom gotischen garda abgeleitet, das einen umfriedeten Hofraum bezeichnet [4]. G. bieten Pflegeräume für Nutzpflanzen und Zierpflanzen, die eines besonderen Schutzes bedürfen, z. B. weil sie als nicht einheimische Pflanzen oder als Zuchtformen konkurrenzschwach sind. G. können mehr oder weniger künstlerisch gestaltet sein. Im MA versorgte man sich in Stadt und Land weitgehend mit Gemüse und Obst aus dem eigenen G., teils wurden wild wachsende Pflanzen gesammelt. Mit dem Aufschwung von H…

Gas

(2,640 words)

Author(s): Meinel, Christoph | Bleidick, Dietmar
1. Vom vitalen Chaos zum Gas der Chemiker Die Auffassung, dass Luft ein wägbarer Stoff ist und aus verschiedenen G. besteht, setzte sich erst im Laufe des 18. Jh.s durch. Bis dahin galt die Luft als eines der vier aristotelischen Elemente und war weder schwer noch leicht, solange sie sich an ihrem natürlichen Ort befand. In seinem Werk Ortus Medicinae (Amsterdam 1648; dt. Aufgang der Artzney-Kunst, Sulzbach 1683) entwarf der flämische Paracelsist Johann Baptista van Helmont eine alternative, vitalistische Materietheorie ( Vitalismus). Dieser zufolge gehen alle Stoffe aus …

Gassenhauer

(742 words)

Author(s): Wenzel, Silke
Das Wort G., bereits um 1413 als Eigenname belegt und im 16. Jh. als abwertende Bezeichnung für »nutzlose Herumtreiber« üblich [2], wurde 1517 in der lat. Grammatik J. A. Turmairs erstmals im musikalischen Sinn verwendet. In der Frühen Nz. bezeichnete G. wertneutral ein schlichtes und populäres weltliches Lied der städtischen Bevölkerung. So erschien z. B. 1535 in Frankfurt am Main eine mehrstimmige weltliche Liedersammlung mit dem Titel Gassenhawerlin und Reutterliedlin, die sich im Wesentlichen an das frühnzl. Bürgertum wandte. Schon zu dieser Zeit war der G…

Gästehandel

(10 words)

s. Handel

Gastfreundschaft

(1,004 words)

Author(s): Jancke, Gabriele
1. Begriff G. ist ein moderner Oberbegriff (seit Ende des 18. Jh.s nach griech. proxenía gebildet) für Phänomene der Gastlichkeit, die meist in einer privaten Sphäre angesiedelt werden. In nzl. europ. Gesellschaften finden sich, v. a. in normativen Quellen (z. B. juristischen und theologischen Abhandlungen oder Predigten), unterschiedliche Bezeichnungen: neben lat. hospitalitas (vgl. engl. hospitality, franz. hospitalité und dt. Hospitalität), hospitium, hospitatio militaris (»militärische G.«, i. e. Einquartierung) und convivium (»Gastmahl«) und hebr. hakhnasat …

Gasthaus

(1,057 words)

Author(s): Fuchs, Antje
1. Definition G. bezeichnete in der Nz. ein öffentliches Haus (engl. public house, pub), in dem fremde Personen gegen Bezahlung übernachten sowie mit Speisen (Essen) und Getränken oder auch weiteren Dienstleistungen versorgt werden konnten. Die Verbreitung von kommerziellen G. stand in Zusammenhang mit der zunehmenden Mobilität und den strukturellen Veränderungen der Reise-Tätigkeit; als wichtige infrastrukturelle Knotenpunkte etablierten sie sich seit dem 11. Jh. zunächst entlang der Pilgerwege, in den Städten und an den wichtigsten Handelsstraßen. 2. Typen Bereits am …

Gastronomie

(10 words)

s. Gasthaus

Gattung

(7,670 words)

Author(s): Huber, Martin | Kirchner, Thomas | Edler, Arnfried
1. Definition G.-Termini sind abstrakte Begriffsfiktionen, also vom einzelnen Phänomen hergeleitete Vorstellungen, die der Organisation und Kommunikation von Wissen dienen. In der naturwiss. Wissensorganisation ist G. (lat. genus, griech. génos) der Sammelbegriff für individuelle Naturkörper, die durch gemeinschaftliche Merkmale zu einer Art gehören. In Zoologie, Botanik und Mineralogie werden G. in der Nomenklatur der Systematik wiederum in Gruppen, Familien, Ordnungen und Klassen weiter gegliedert. Das dt. Wort G., zunäch…

Gaunersprache

(10 words)

s. Sondersprache

Gebäranstalt

(1,297 words)

Author(s): Keunecke, Susanne
1. Allgemein Die G. war eine klinische Einrichtung zur Entbindung vorwiegend lediger Mütter (Ledige), in Deutschland schwerpunktmäßig mit praktischer Lehr- und Ausbildungsfunktion für Hebammen, Chirurgen und Mediziner (Medizinalpersonen), die sich in weiten Teilen Europas seit Mitte des 18. Jh.s verbreitete. Andere Bezeichnungen dafür waren dt. »Accouchieranstalt« bzw. »Accouchier-Hospital« (franz. accoucher, »entbinden«), Entbindungsanstalt bzw. -klinik, franz. maternité, engl. lying-in hospital. Die Gründung von G. stand im Zusammenhang mit der Herau…

Gebärmutter

(996 words)

Author(s): Jarzebowski, Claudia
1. Allgemein Die G. (Uterus) galt den medizinischen Gelehrten vor 1500, vor der Zeit der großen Sektionen (Anatomie) als ein zentraler und metaphorisch aufgeladener Ort in weiblichen und – manchmal – männlichen Körpern. Der schwangere Mann bildete in den gelehrten Vorstellungen zwar die Ausnahme, war aber denkbar, denn die G. wurde bis ca. 1600 in aristotelischer Tradition vorwiegend als nach innen gewendeter Penis verstanden, erst danach stärker als anatomisch bestimmtes, geschlechtsspezifisches Organ (in der Tradition des griech.-röm. Arztes Galen). Die G. wurde wahlw…

Gebet

(2,594 words)

Author(s): Grethlein, Christian | Fischer, Michael | Felmy, Karl Christian
1. Einleitung Das G. (lat. oratio, preces), religionswissenschaftlich gesehen die »dialogische Zuwendung eines Menschen zu seinem Gott, um ihm das eigene Dasein in seiner Bedürftigkeit oder Zufriedenheit als den Wirkungsbereich ›dieses‹ Gottes darzustellen« [3. 32], ist eine grundlegende Kommunikationsform des Menschen. Das G. ist sowohl Ausdruck persönlich-individueller (privates G.) als auch institutionell organisierter Praxis (liturgisches G.; vgl. Gottesdienst), wobei beide Bereiche einander in den verschiedenen Religionen a…

Gebetbuch

(2,020 words)

Author(s): Fischer, Michael | Matthias, Markus
1. Allgemeine Charakteristika G. (ältere dt. Form: Betbuch) bezeichnet eine handschriftlich oder gedruckt in Buchform vorliegende Sammlung von Gebeten. Es gehört wie das Gesangbuch, mit dem es häufig kombiniert wurde, zur Erbauungsliteratur. G. entstanden bereits seit dem frühen MA. Während das Judentum nachweislich seit dem 9. Jh. handschriftliche G. (Siddur) für das gemeinsame Synagogen-Gebet oder das private Gebet kannte, sind seit dem 8. Jh. christl. G. für den Klerus und andere Personen des geweihten (z. B. monastischen) Lebens ( Stundenbuch, Marienzyklen) sowie …

Gebirge

(1,165 words)

Author(s): Pfister, Ulrich
1. Allgemein G. sind tektonische Erhebungen, die sich durch ihr landwirtschaftliches Nutzungssystem, ihre Agrarverfassung sowie ihre soziale Organisation deutlich von ihrem tiefer gelegenen Umland unterscheiden. Zudem stellte und stellt ihre Erschließung und Überquerung vielfach eine verkehrstechnische Herausforderung dar (Alpenübergänge). Seit F. Braudel seine Geschichte des Mittelmeers antithetisch mit dem Kapitel »Zuerst die Berge« beginnen ließ [1], wurde deutlich, dass die engen Austauschbeziehungen von Hochländern mit Tiefländern einen wichtig…

Geblüt

(1,380 words)

Author(s): Wrede, Martin
1. Definition Das Wilhelmuslied, die niederl. Nationalhymne, feiert nicht nur das »deutsche«, sondern, oft übersehen, auch das »edle Blut« des Statthalters aus dem Hause Nassau und Führers des Niederländischen Aufstands (1568–1648), Wilhelm von Oranien. Gemeint ist damit seine Abkunft von »kaiserlichem Stamm«, welche die eminenten persönlichen Qualitäten des Fürsten gleichsam begründet. Dies war nicht nur das Verständnis des Dichters Marnix van Sint Adelgonde, sondern weithin auch das der gesamten Frühen Nz., z. T. bis ins 18. Jh. hinein: Das Blut, so meinte man, übert…

Gebrauchtwarenhandel

(12 words)

s. Trödel | Wiederverwertung

Geburt

(1,071 words)

Author(s): Labouvie, Eva
1. Schwangerschaft und Geburt Die G. bildet den Abschluss der von Regeln, Pflichten und Imaginationen begleiteten Phase der Schwangerschaft. Neben der von Hebammen und seit dem 18. Jh. auch von männlichen G.-Helfern in den Städten und Gebäranstalten geleisteten G.-Hilfe ( Obstetrik) sowie den von der helfenden Frauengemeinschaft durchgeführten Geburtsritualen wurde die G. als »Arbeit« der gebärenden Frau, als »Geburtsarbeit« angesehen – so bezeichnete man das Gebären nachweislich seit dem 15. Jh. [4. 109–129]. Bislang hat sich die europ. und außereurop. Forschung …

Geburtenkontrolle

(10 words)

s. Empfängnisverhütung

Geburtshilfe

(16 words)

s. Geburt | Gynäkologie | Hebamme | Obstetrik

Geburtsritual

(925 words)

Author(s): Labouvie, Eva
1. Rituale während der Geburt Die Geburt eines Kindes war ein körperliches, emotionales und symbolhaftes Ereignis und zugleich eine sinnstiftende Interaktion unter Frauen. Im frühnzl. und nzl. Europa gab sie nicht nur Anlass zur praktischen Hilfe, sondern stets auch zur Identifikation, Selbstthematisierung und kulturellen Modellierung von Bedeutungen – etwa von Leben und Tod, Glück und Not, Freude und Schmerz, Menschsein und Menschwerdung. Kaum ein anderes Ereignis, nicht einmal die Heirat, kannte bis ins beginnende 20. Jh. mehr Feste, Rituale und Zusammenkünfte. Die sich u…

Geburtstag

(10 words)

s. Jubiläum

Gedächtnis

(3,238 words)

Author(s): Andres, Jan | Leppin, Volker
1. Definition Unter G. (lat. memoria, Ort aller G.-Inhalte) versteht man allgemein einen Vorrat (Inhalte) und Speicher (Medien) von Wissen über die Vergangenheit, der durch den Prozess der Erinnerung (Anamnese) abgerufen bzw. aktualisiert werden kann. Fast alle G.-Theorien suchen nach den Verbindungen des Thesaurus-Modells mit dem eigentlichen Akt des Erinnerns. Seit Aristoteles sind G. und Erinnerung ein Bestandteil der Rhetorik unter dem Stichwort der ars memorativa (»G.-Kunst«). Die Mnemonik gehört zur Redekunst, weil sie als Technik Voraussetzung für den …

Gedenktag

(10 words)

s. Jubiläum

Gefängnis

(769 words)

Author(s): Henze, Martina
Der Begriff G. wird im modernen Sprachgebrauch synonym mit dem der Justiz- bzw. Strafvollzugs-Anstalt verwendet. Er entwickelte sich sprachgeschichtlich aus dem Verb »fangen« und bezeichnete zunächst den Vorgang des Einfangens und Gefangenhaltens, seit dem ausgehenden MA auch den Ort, an dem Gefangene durch physischen Zwang, etwa durch Mauern und Ketten, festgehalten wurden. Mit dem Aufkommen der Freiheitsstrafe ab dem ausgehenden 15. Jh. in Europa erweiterte sich die Wortbedeutung hin zu einem Ort der Strafvollstreckung. Von der entstehenden Gefän…

Gefängniskunde

(687 words)

Author(s): Henze, Martina
Der Begriff G. wurde in den 1820er Jahren von dem Hamburger Arzt Nikolaus Heinrich Julius geprägt [2]. Es handelt sich um die dt. Bezeichnung für den Gefängnisreformdiskurs des ausgehenden 18. und 19. Jh.s in Europa und Nordamerika, der in der neueren Forschung einige Beachtung gefunden hat [5]; [3]; [6]. Die Zeit von ca. 1770 bis 1810 lässt sich als Vorbereitungsphase charakterisieren, in der die Frage nach dem Zustand der Gefängnisse erstmals in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit rückte. Vor dem Hintergrund der sich verändernden Auffassungen von Strafrecht und Stra…

Geflügel

(12 words)

s. Viehwirtschaft | Vogelhaltung

Gefühl

(2,559 words)

Author(s): Behringer, Wolfgang | Leppin, Volker
1. Allgemein 1.1. Probleme der Definition Unter »Fühlen, Gefühl« verstand noch Zedlers Universallexikon in der Mitte des 18. Jh.s »einen der fünf äußerlichen Sinne, der sich über den ganzen Leib ausbreitet« [1], also den Tastsinn (lat. tactus). Emotionen wie Liebe, Eifersucht, Neid, Melancholie oder Traurigkeit, die man heute unter dem Begriff G. subsumieren würde, werden hingegen als »Gemüths-Neigung«, als »Gemüths-Beschaffenheit« oder als »Gemüths-Bewegung« beschrieben. G. sind tief in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit verankert. Sie sind als Grun…

Gegenaufklärung

(1,604 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Begriff und Problem Als Synonym für Romantik ist der Begriff G. erstmals 1877 in einer Notiz Friedrich Nietzsches nachweisbar (»Der Höhe der Aufklärung entspricht die Höhe der G. in Schopenhauer und Wagner«) [16. 26]. Seit den 1950er Jahren führte Isaiah Berlin ihn als counter-enlightenment in die internationale Diskussion ein, um mit ihm – nicht ohne weltanschauliche Wertung – Gegner der Aufklärung (=Aufkl.) bzw. »Feinde der Freiheit« zu bezeichnen [9]; [11]. Seither dient G. als Sammelbezeichnung für fundamentale Kritik an der Aufkl. bzw. für das Arsenal polemische…

Gegenreformation

(11 words)

s. Katholische Reform

Gegenrevolution

(1,685 words)

Author(s): Wagner, Michael
1. Begrifflichkeit Unter G. versteht man die Gesamtheit der politischen Kräfte, die sich inner- und außerhalb Frankreichs gegen die durch die Französische Revolution bewirkten Veränderungen wandten und versuchten, diese zu verhindern bzw. rückgängig zu machen. Gruppen des revolutionären Lagers instrumentalisierten den Begriff der G. zur Diskreditierung rivalisierender pro-revolutionärer Strömungen; eine solche Verwendung ist jedoch wiss. nicht haltbar. Als wiss. ergiebig hat sich die seit den 1970er Jahren verbreitete Differenzierung zwischen einer aristokratisch…

Geheimbund

(10 words)

s. Geheimgesellschaft

Geheimer Rat

(1,659 words)

Author(s): Wieland, Christian
1. Definition Der G. R. war eine kollegial strukturierte Behörde mit Beratungs- und Regierungsfunktion v. a. in Monarchien, daneben auch in republikanisch verfassten Gemeinwesen wie den Niederlanden oder in Schweizer Städten [17]; [8]. Die Zuständigkeit eines G. R. im Verhältnis zu anderen bürokratischen Institutionen war selten genau abgegrenzt: Zu seinen Kompetenzbereichen zählten zumindest potentiell Regierungs- und Verwaltungs-Aufgaben sowie die Justiz; oft war seine konkrete Tätigkeit jedoch auf die »große Politik«, v. a. die Außenpolitik, beschränkt, währ…

Geheimgesellschaft

(820 words)

Author(s): Agethen, Manfred
Im Gegensatz zu den Freimaurern hielten die nzl. G. ihre Tätigkeiten, Ziele und überhaupt ihre Existenz geheim. Diese Aufklärungs-Gesellschaften entstanden seit den 1760er Jahren in ganz Europa im Umfeld der Freimaurer und waren nach deren Muster organisiert. Über den Weg der Bildung, der Selbstvervollkommnung und eines anschließenden »Marsches durch die Institutionen« versuchten sie, unmittelbaren politischen Einfluss zu erlangen, und bedrohten damit das politische Machtmonopol des absolutistischen Staates ( Absolutismus). Am »rechten« Rand solcher para- oder ps…

Geheimnis

(743 words)

Author(s): Gestrich, Andreas
Das dt. Substantiv G. taucht erst seit dem 16. Jh. auf. Bis dahin waren lediglich mhdt. Vorläufer der adjektivischen Form »geheim« sowie des Substantivs »Heimlichkeit« in Gebrauch. Der Begriff G. verdankt seine Verbreitung der Bibelübersetzung Martin Luthers, der für das griech. mystḗrion und das lat. secretum ein substantivisches Äquivalent suchte. Von der religiösen Sphäre ausgehend, verbreitete sich das Wort rasch in der politischen Sprache, durchzog jedoch bald, wie sich an den zahlreichen Komposita ablesen lässt, auch andere Bereiche…

Geheimpolizei

(11 words)

s. Politische Polizei

Geheimschrift

(12 words)

s. Kryptographie | Schrift

Geheimsprache

(10 words)

s. Sondersprache

Gehör

(13 words)

s. Rechtliches Gehör | Tonlehre

Gehorsam

(16 words)

s. Disziplin | Elternrecht | Erlösung | Familie

Geisel

(704 words)

Author(s): Schorkopf, Frank
Die G. ist eine physische Person, die mit Leib und Leben für eine eigene oder fremde Verpflichtung gegenüber dem G.-Herrn einsteht. Das Rechtsinstitut der G.-schaft ist seit der Antike allen Kulturkreisen bekannt [6]. Es gibt dem Gedanken der Haftung Gestalt und tritt als weiteres Sicherungsmittel neben das Versprechen, den Eid, das Ehrenwort sowie das Pfand. Ihrem Wesen nach ist die G.schaft die Pfandnahme einer Person, d. h. die G. ist in ihrer persönlichen Freiheit beschränkt, solange ein bestimmter Sicherungszweck, so v. a. Darlehensrückzahlung, nicht erfüllt…

Geist

(2,344 words)

Author(s): Salatowsky, Sascha
1. Wurzeln des Begriffs Der Begriff des G. ist einer der schillerndsten der Wissenschaftsgeschichte, geht doch seine Herkunft auf zwei unterschiedliche antike griech. Begriffe zurück: pneúma (lat. spiritus, »Hauch, Atem, G.«) und nus/nous (lat. intellectus, mens, »Vernunft, G.«). Pneúma bezeichnet in der antiken Medizin die Lebensgeister (lat. spiritus vitalis et animalis), die als luftartige, materielle Instrumente der Seele die physiologischen Tätigkeiten der Lebewesen hervorbringen. Im AT steht es dagegen für den Odem Gottes (hebr. rûah Jahve), der als die absolute …

Geister

(1,248 words)

Author(s): Naphy, William
Die »Geographie« des Lebens nach dem Tod stellte einen der großen theologischen Streitpunkte der Reformation dar; insbes. ging es darum, was mit den Seelen der Toten geschehen würde und welche Beziehung die Toten mit den Lebenden verband (vgl. Eschatologie). Der Glaube an G. war ein Merkmal, das Protestanten von Katholiken fast ebenso klar unterschied wie der Glaube an die Heilige Messe oder die Vormachtstellung des Papstes. In den Jahrzehnten vor der Reformation gab es weitgehenden Konsens über Verstorbene und »ihre« G. Obwohl die Toten nicht körperlich ins L…

Geisteskrankheit

(14 words)

s. Melancholie | Psychiatrie | Wahnsinn

Geisteswissenschaften

(1,952 words)

Author(s): Walther, Gerrit
1. Idee und Begriff Idee und Begriff der G. entstanden im Deutschland des späten 19. Jh.s. Sie erwuchsen aus der Überzeugung des Historismus, dass menschliches Wollen, Denken und Handeln nicht mit den induktiven Verfahren der Naturwissenschaften gemessen und auf allgemeine Regeln zurückgeführt werden könnten, sondern als Äußerungen einer je einzigartigen Individualität in ihren konkreten Erscheinungsformen um ihrer selbst willen studiert werden müssten. Seither versteht man unter G. die Summe jener gelehrten Disziplinen, »welc…

Geistige Arbeit

(1,084 words)

Author(s): Ehmer, Josef
1. Begriff Im christl. Denken des MA galten geistige Tätigkeit und Erwerbsarbeit als unvereinbar. Der Verkauf von »Worten und Wissen« [10. 211] war verpönt, da das Wissen (wie auch die Zeit, mit der Händler und Geldleiher spekulierten) Gott gehöre. Erst in den Städten des hohen und späten MA verbreitete sich die Auffassung, dass auch Juristen, Mediziner, Lehrer an Schulen und Universitäten und andere Intellektuelle eine G. A. ausübten und dafür einen Lohn verdienten [9]. Mit der seit dem späten MA zu beobachtenden Aufwertung der Arbeit war sowohl eine Ausdehnung wie auch ein…

Geistiges Eigentum

(2,181 words)

Author(s): Pahlow, Louis
1. Definition Unter G. E. versteht man eine seit dem Ende des 18. Jh.s vorwiegend in Naturrecht und Rechtsphilosophie vertretene Auffassung, nach der v. a. Autoren- und Erfinderrechte wie Eigentums-Rechte geschützt sind. Die Lehre vom G. E. stieß im 19. Jh. in Deutschland auf erheblichen Widerstand, der noch heute in weiten Teilen der Rechtswissenschaft fortbesteht. In Frankreich und im angelsächsischen Rechtskreis hat sich die Auffassung, dass es sich um eigentumsähnliche Rechte handelt, dagegen durchgesetzt (franz. propriété intellectuelle, engl. intellectual prope…

Geistliche

(1,826 words)

Author(s): Wassilowsky, Günther | Schorn-Schütte, Luise
1. Katholischer Klerus 1.1. Distinktionen Im Unterschied zum Protestantismus lebte im nzl. Katholizismus die ma.-feudale Vorstellung von der religiösen Elite als einem eigenen gesellschaftlichen Stand fort (Ständegesellschaft) [3]. Der Klerikerstand umfasste in Abgrenzung zu den Laien jenen Personenkreis, der – auf der Grundlage eines sakramentalen Amtsverständnisses – die Gewalt (lat. potestas) in der Kirche innehatte ( Amt). Die Standesdistinktion nach außen wurde durch die Inanspruchnahme exklusiver Privilegien markiert (u. a. Immunität in weltl…

Geistliche Dichtung

(2,199 words)

Author(s): Scheitler, Irmgard
1. Definition, Hintergrund, literarischer Stellenwert Unter G. D. ist Poesie mit geistlichem (= geistl.) Inhalt und religiöser Zielsetzung zu verstehen, die sich oft, jedoch nicht ausschließlich biblischer Stoffe bedient. Angesichts der Tatsache, dass Religion das selbstverständliche Fundament und einigende Band frühnzl. Kultur bildete, überrascht es nicht, dass nahezu alle wichtigen Autoren v. a. des 16. und 17. Jh.s auch geistl. gedichtet haben. Auch noch im 18. und bis zur Mitte des 19. Jh.s nahmen theologische Literatur und Erbauungsliteratur in der Buchprodukt…

Geistliche Herrschaft

(876 words)

Author(s): Andermann, Kurt
1. Verbreitung seit dem Mittelalter G. H. im Sinne der Wahrnehmung obrigkeitlicher Befugnisse durch einen kirchlichen Würdenträger oder eine geistliche Korporation war – abgesehen vom Kirchenstaat und von Anomalien wie dem engl. Fürstbistum Durham – in der Nz. im Wesentlichen eine Besonderheit der Verfassungsentwicklung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und wurzelte in politischen Entscheidungen v. a. der ottonischen und frühsalischen Kaiser im 10. und 11. Jh. Grundherrliche Rechte, die in der Verfügungsgewalt von Bischöfen und Prälaten lagen, gab…

Geistliche Musik

(13 words)

s. Kirchenmusik

Geistliches Konzert

(1,386 words)

Author(s): Groote, Inga Mai
1. Begriff und Begriffsgeschichte G. K. ist eine vom Kompositionsprinzip des Konzertierens hergeleitete Bezeichnung für bestimmte Typen der Motette im 17. Jh., die jedoch keine strenge Gattungsdefinition impliziert. Der Begriff dient entweder zur Bezeichnung geringstimmiger, vom Generalbass begleiteter Motetten oder aber größer besetzter bzw. mehrchöriger Werke. Ab dem 18. Jh. wurde der Begriff G. K. auch für eine Konzertveranstaltung verwendet (s. u. 3.). Die Bezeichnung G. K. leitet sich aus dem Begriff des Konzertierens ab, der zunächst nur eine musikalische Satz…

Geld

(14 words)

s. Geldtheorie | Geldwert | Geldwirtschaft

Geldlohn

(1,862 words)

Author(s): Reith, Reinhold
1. Begriffe Als Lohn wird die Vergütung unselbständiger Arbeit ( Lohnarbeit), d. h. die Vergütung der Leistung des Arbeitnehmers oder der Preis für die Ware Arbeit, bezeichnet. In der gewerbegeschichtlichen Literatur wird mitunter auch der Stückpreis (im Verlagssystem) oder der »Meisterlohn« (im Falle des Lohnwerks), den der Selbständige vom Kunden, Kaufmann oder Fabrikanten erhielt, unter dem Begriff Lohn subsumiert; im Falle ausgeprägter Abhängigkeitsverhältnisse konnte dieser Unterschied jedoch faktisch an Bedeutung verlieren. Als Lohnformen werden in der natio…

Geldstrafe

(12 words)

s. Buße | Strafe

Geldtheorie

(3,888 words)

Author(s): Rieter, Heinz
1. Der Geldbegriff Geld gibt es nachweislich seit den frühen Kulturen. Seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung erschließt sich auch etymologisch: So steckt in »pekuniär« der lat. Begriff pecus (»Vieh«, das einst auch als Tauschmittel diente; davon abgeleitet lat. pecunia, »G.«). Im Röm. Reich wurde 269 v. Chr. auf dem Kapitol eine Münzstätte neben dem Tempel der Göttin Juno errichtet, die u. a. das Münzwesen zu beschützen hatte. Ihr Beiname »Moneta« (ursprgl. »Göttin der Erinnerung« oder »Warnerin«) ist bis heute in Wörtern wie franz. monnaie, engl. money, span. mo…

Geldwert

(2,312 words)

Author(s): Metz, Rainer
1. Begriff Die Begriffe Geld und Wert gehören eng zusammen, denn »Geld« kommt von »gelten«, d. h. einen Wert haben (»Geld ist, was gilt«, G. Schmölders). Die Frage nach Wesen und Wert des Geldes wird seit Aristoteles im Rahmen der Geldtheorie bzw. -lehre erörtert. Sie gewann an Bedeutung, als sich im 12. und 13. Jh. die Stadtwirtschaft entfaltete und der Fernhandel expandierte. Mit der Ausbreitung der Geldwirtschaft und den sich verändernden Geld- und Währungs-Verhältnissen hat sie im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche Antwort…

Geldwirtschaft

(5,713 words)

Author(s): North, Michael
1. Begriffe und Bezugsrahmen Eine G. ist ein Wirtschafts-System, das im Gegensatz zu Naturalwirtschaften und Tauschhandel mit Geld als allgemeinem Zahlungsmittel arbeitet. Geld erfüllt dabei drei volkswirtschaftliche Funktionen (vgl. Geldtheorie): Erstens dient es als universelles Tauschmittel, um Transaktionen mit beliebigen Gütern abschließen zu können. Zweitens lässt es sich als Mittel zur Aufbewahrung von Werten nutzen, so dass Transaktionen mit Waren zu einem beliebigen Zeitpunkt vorgenommen werden können. Schließlich dien…

Gelegenheitsdichtung

(2,942 words)

Author(s): Stockhorst, Stefanie
1. Begriff und Geschichte Die G., auch Casualdichtung (engl. occasional verse, franz. poésie de circonstance, ital. poesia d'occasione), zählt zu den lit. Zweckformen, da sie ihren Adressaten, bisweilen als Auftragsarbeit unter eigenem oder fremdem Namen, zu einem bestimmten Anlass ehrt. Bedingt durch das Mäzenatentum (Mäzen), reicht ihre Tradition bis in die Antike zurück. Sie begegnet bereits bei griech. (z. B. Sappho, Alkaios, Pindar und Anakreon) und bei röm. Dichtern ( Catull, Ovid oder Horaz). In der Frühen Nz. erlangten die 1417 von Gian Francesco Poggio Bracciolini…

Gelegenheitskomposition

(2,078 words)

Author(s): Kremer, Joachim
1. Definition Der Begriff G. erfasst musikalische Werke, die – ähnlich wie Gelegenheitsdichtung – zu bestimmten Anlässen entstanden sind, etwa zu Geburt, Tod, Hochzeit, kirchlichen oder politischen Gedenktagen. G. sind somit Teil einer Fest-Kultur im weitesten Sinn und abhängig vom steten Wandel der Festbräuche. Daraus folgert die Einbindung solcher Kompositionen in einen über das Werk hinausreichenden situativen und durch die Musik erinnerten oder a posteriori erinnerbaren Kontext. Erkennbar wird dies z. B. an der Hochschätzung, die die Öffentlichkeit im 18…

Gelehrsamkeit

(1,993 words)

Author(s): Döring, Detlef
1. Begriff Der Wortstamm geht zurück auf ahdt. lêren (»wissen lassen«, »mitteilen«) und lêra (»Unterweisung«); daraus entstand in der zweiten Hälfte des 15. Jh.s die Ableitung lersam, als Präfixbildung seit dem 16. Jh. gelehrsam und daraus der Begriff G. (seit dem 17. Jh.). Das lat. Wort eruditio und die davon abgeleiteten Bezeichnungen (engl. erudition, franz. érudition, ital. erudizione, span. erudición) kennzeichnen die G. als Prozess der Beseitigung von Unwissenheit und Unerfahrenheit (lat. ruditas) durch Unterweisung und Unterricht. Der im 17. Jh. aufkommend…

Gelehrte Frauen

(1,090 words)

Author(s): Coester, Christiane
Seit der Frühen Nz. führten Frauen selbständige, aktive, wenn auch keine gleichberechtigten Leben als Forscherinnen, als gelehrte Leserinnen und Schriftellerinnen (vgl. Dichter) sowie als Übersetzerinnen und Verlegerinnen. Da G. F. der Zugang zur akademischen Welt in der Regel verschlossen blieb, organisierten sie eigene Orte der Gelehrsamkeit und waren weniger an Universitäten oder Akademien als vielmehr an Fürsten-Höfen, in Salons, Klöstern und Haushalten tätig [2. 8–16]. G. F. untersuchten natur- und geisteswiss. Themen und beschäftigten sich mit Naturku…

Gelehrte Gesellschaft

(18 words)

s. Patriotische Gesellschaft | Sozietätsbewegung | Sprachgesellschaft

Gelehrte Medien

(1,264 words)

Author(s): Gierl, Martin
1. Begriff G. M. als institutionalisierte technische Vermittler von Gelehrsamkeit waren von jeher – für sich und in ihrem Zusammenspiel – keineswegs nur neutrale Instrumente des Wissens, sondern vielmehr Materialisation zeitgenössischer Wissensorganisation. In der Nz. entfaltete sich mit ihnen der große kulturelle Wandlungsprozess von der Mündlichkeit zur nun immer stärker druckbasierten Schriftlichkeit. Auf deren Eigenart beruhte die Entwicklung moderner Wissenschaft sowie nicht unwesentlich die Administrationsfähigkeit und damit Prävalenz der europ…

Gelehrtenkorrespondenz

(933 words)

Author(s): Döring, Detlef
1. Funktionen und Inhalte Der Briefwechsel bildete die älteste und lange Zeit wesentlichste Form der schriftlichen Kommunikation innerhalb der gelehrten Welt. Für die Forschung stellt er eine der aufschlussreichsten Quellen zur Untersuchung wissenschaftsgeschichtlicher Entwicklungen dar. Die oft umfangreichen Korrespondenzen (mitunter 20 000 und mehr Briefe) der Gelehrten von europ. Bedeutung (z. B. Erasmus von Rotterdam, Hugo Grotius, Gottfried Wilhelm Leibniz, Johann Christoph Gottsched) dokumenti…

Gelehrtenmigration

(11 words)

s. Peregrinatio academica

Gelehrtenrepublik

(1,216 words)

Author(s): Gierl, Martin
1. Begriff Als Kernbestand utopischen Denkens (Utopie) und Spiegel der sozialen wie politischen Institutionalisierungsprozesse der vordringenden schriftbasierten Wissenskultur zählt die G. zu den zentralen, epochendefinierenden Konzepten der Nz. Der Begriff ist die dt. Entsprechung zu lat. res publica li(t)teraria (engl. republic of letters; franz. république des lettres) und bezeichnet das Gefüge öffentlicher gelehrter Schriftlichkeit; dabei standen von Anfang an wesentlich die Produzentengemeinschaft, die Produktionsweisen und die Verwaltung v…

Gelehrtensatire

(885 words)

Author(s): Košenina, Alexander
Kritik und Satire begleiten den Gelehrten und sein Wirken seit der Antike, als die griech. Sophisten erstmals in Europa die Voraussetzung professioneller Geistesarbeit schufen, indem sie für Geld unterrichteten. Gleichzeitig begründeten Aristophanes' Wolken 423 v. Chr. die Gattung der G.: In der Philosophenklause des Sokrates wird die Kunst karikiert, mittels Spitzfindigkeiten und Wortzauber Recht zu gewinnen. Von diesem frühen Beispiel an etablieren sich drei Gegenstandsbereiche der G. in Literatur und bildender Kunst: (1) Der Typus d…

Gelehrter

(886 words)

Author(s): Häseler, Jens
1. Begriff Die Bezeichnung G. für den Wissenschaftler vom SpätMA bis in die Mitte des 19. Jh.s verweist auf die für Wissenschaft konstitutive Rolle der Lehre an den Universitäten. Bis ins 18. Jh. überwogen lat. Termini wie scholasticus, vir doctus, eruditus etc. Die langsame Verselbständigung des Wissenschaftlers aus dem geistlichen Stand ist an dem im franz. MA gebräuchlichen Wort clerc erkennbar. Weitere Begriffe, die insbes. seit dem 16. Jh. an Bedeutung gewannen, sind homme docte, homme savant oder homme de science, érudit und lettré [9]. Homme de lettres wurde im 17. und 1…

Gelehrte Räte

(1,526 words)

Author(s): Wieland, Christian
1. Begriffsbestimmung Als »G. R.« wurden in der Nz. die akademisch (vornehmlich juristisch) gebildeten fürstlichen Beamten und Amts-Inhaber bezeichnet, die in der Zentralbürokratie (weniger in der Lokalverwaltung) bzw. in kollegial strukturierten Gremien als Gerichts- und Verwaltungs-Fachleute beschäftigt waren. Sie waren meist bürgerlicher Herkunft; ihre individuelle und kollektive Position als Mitglieder der Herrschaftselite wurzelte in der wiss. Bildung und in der Wertung ihrer beruflichen Tätigkeit als »Dienst am Allgemeinwohl«. Wie andere Eliten tendierte …

Gelehrte Sammlung

(14 words)

s. Sammlung, gelehrte

Gelehrtes Recht

(14 words)

s. Gemeines Recht

Gelehrte Zeitschrift

(716 words)

Author(s): Becher, Ursula A.J.
Unter G. Z. versteht man einen Zeitschriftentypus, der sich im 17. Jh. in Europa herausbildete: ein Rezensionsjournal, das ausführlich und zuverlässig über Neuerscheinungen berichtete und auch ältere Werke besprach (Rezension). Modell für diese Textgattung war das von dem Juristen Denys de Sallo 1665 in Paris herausgegebene Journal des Scavans. Etwa gleichzeitig erschienen auch in London ( Philosophical Transactions, 1665 ff.) und Rom ( Giornale de' letterati, 1668 ff.) ähnliche Zeitschriften. Deutschland folgte 1682 mit den Acta Eruditorum, die im Unterschied zu…

Gemeinde

(1,191 words)

Author(s): Leppin, Volker
1. Christliche 1.1. Spätmittelalter, Reformation und Konfessionalisierung Ausgehend von der seit der Karolingerzeit gültigen parochialen Struktur der Kirche (d. h. der Zuordnung von Wohnsitz und kirchlicher G.-Zugehörigkeit) entwickelte sich im späten MA ein starkes Bewusstsein insbes. der städtischen G. als sozialer Zusammenhang in politischer wie religiöser Hinsicht, so dass man im Blick hierauf sogar von einem corpus Christianum (»christl. Körperschaft«) im Kleinen sprechen kann [3]. Aus diesem zugleich kommunalen und parochialen Selbstbewusstsein entwic…

Gemeindeverfassung

(12 words)

s. Dorfgemeinde | Stadt

Gemeines Recht

(2,007 words)

Author(s): Eisfeld, Jens
1. Begriff Unter G. R. (lat. ius commune, engl. Common Law) im weitesten Sinn versteht man ein allgemeines oder gemeinschaftliches Recht. Im engeren Sinne war und ist damit in Kontinentaleuropa in erster Linie Röm., also das im Corpus iuris civilis (der im 6. Jh. von Kaiser Justinian veranlassten Rechtssammlung) niedergelegte Recht gemeint. Daneben umfasste G. R. weitere als allgemein verbindlich angesehene Rechtsquellen (im Alten Reich insbes. Reichsgesetze) im Gegensatz zu persönlich (Privilegien) oder geographisch (Partikularrech…

Gemeinheit

(10 words)

s. Allmende

Gemeinnutz

(13 words)

s. Gemeinwohl | Nutzen, gemeiner

Gemeinplätze

(13 words)

s. Loci communes | Topik

Gemeinschaftsverpflegung

(901 words)

Author(s): Krug-Richter, Barbara
1. Begriff Unter G. versteht man heute die »Versorgung von Verbrauchergruppen mit Speisen und Getränken in bestimmten Einrichtungen, z. B. Betrieben, Krankenhäusern, Heimen, Kasernen, Kindergärten und Schulen«, darüber hinaus jedoch auch bestimmte Formen der Außer-Haus-Verpflegung [1]. Der Begriff selbst ist eine Wortschöpfung des 20. Jh.s; das Grimm'sche Wörterbuch aus dem Jahre 1897 nennt ihn noch nicht. Das Phänomen hingegen hat eine deutlich längere Tradition als seine begriffliche Präzisierung: Bereits die Verpflegung in europ. spätma. und frühnzl. Hospitälern, …

Gemeinwohl

(2,168 words)

Author(s): Weber, Wolfgang E.J.
1. Grundlagen Jede Gemeinschaft ist mit dem Problem konfrontiert, die individuellen Bestrebungen ihrer Mitglieder mit dem Gemeinschaftszweck koordinieren zu müssen. Es war bereits eine Errungenschaft der Praxis und der v. a. religiös-christl. geprägten Theorie des MA, zur Lösung dieses Problems nach antiken Vorgaben insbes. das Gegensatzpaar von G. (lat. bonum omnium, bonum commune, salus publica) bzw. Gemeinnutz (lat. utilitas publica) und Eigennutz konzeptualisiert und in antiker Tradition dem G. den Vorrang zugesprochen zu haben. Das Spektrum der ma. und nzl. Geme…

Gemmenkunde

(1,016 words)

Author(s): Walther, Gerrit

Gemüse

(1,821 words)

Author(s): Hirschfelder, Gunther | Schaier, Joachim
1. Ernährung Das mhdt. Wort gemüese bezeichnete ursprünglich einen Brei aus gekochten Nutzpflanzen. Nach moderner Definition sind G. die roh oder nach besonderer Zubereitung genießbaren Teile meist einjähriger Pflanzen, die der menschlichen Ernährung dienen. Die Früchte mehrjähriger Pflanzen (Obst, Nüsse) sowie Getreidesamen werden nicht als G. bezeichnet. Trotz der fundamentalen Bedeutung auch für die nzl. Ernährung ist G. bislang nur am Rande erforscht worden. Das liegt v. a. daran, dass G. sowohl auf dem Land als auch im städtischen Bereich primär in Eigenwirtschaft ( Gar…

Gendarmerie

(912 words)

Author(s): Nowosadtko, Jutta
1. Allgemein Der Begriff »G.« (von franz. gens d'armes, »bewaffnete Leute«) hat im Verlauf seiner Geschichte einen drastischen Bedeutungswandel erfahren. Ab dem SpätMA bezeichnete er zunächst im Burgund königliche und fürstliche Leibgarden, wurde aber im Zuge der Französischen Revolution per Gesetz auf die sog. Maréchaussée übertragen (Soldaten, die zur Unterstützung der königlichen Gerichte in den Verwaltungszentren stationiert wurden), die seit 1791 den offiziellen Titel G. nationale führte. Seit dem 19. Jh. sind unter G. im Wesentlichen paramilitärische, m…

Gender

(12 words)

s. Geschlecht | Geschlechterrollen …

Genealogie

(2,489 words)

Author(s): Walther, Gerrit | Graf, Klaus
1. Begriff und Formen Seit Hekataios von Milet im 6. Jh. v. Chr. genealogíai (»Nachrichten über [adelige] Geschlechter«) sammelte, bezeichnet G. die Kunst, die Stellung eines Subjekts innerhalb seiner biologischen Verwandtschaft (lat. genus bzw. gens) zu ermitteln bzw. die Abfolge der Generationen innerhalb einer Familie zu rekonstruieren und darzustellen. Die genealogische (= gen.) Betrachtung dürfte das weltweit älteste und verbreitetste Verfahren sein, Stand und Rang eines Menschen in der Gesellschaft zu bestimmen bzw. Vergangenheit zu erinnern, zu erzählen, a…
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