Enzyklopädie der Neuzeit Online

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Subject: History

Die Enzyklopädie der Neuzeit Online, die auf der gedruckten Ausgabe Enzyklopädie der Neuzeit (J.B. Metzler Verlag Stuttgart, 2005-2012, in Zusammenarbeit mit dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen) basiert, bietet in über 4.000 Schlagwörtern einen facettenreichen Blick auf das bedeutsame Zeitalter von der Mitte des 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

Seit 2017 wird die Enzyklopädie der Neuzeit Online regelmäßig erweitert. Neue Artikel kommen hinzu und bestehende Artikel werden um neue Abschnitte und zusätzliche Literatur ergänzt. In Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes sind neue Artikel auch einzelnen Räumen und Regionen gewidmet oder reflektieren aktuelle Trends der historischen Neuzeit-Forschung.

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Genera dicendi

(899 words)

Author(s): Andres, Jan
Die Lehre von den drei G. D. (lat. auch elocutionis genera; »Arten des sprachlichen Ausdrucks«) wird auch als Dreistillehre bezeichnet. Sie stammt aus der antiken Rhetorik und regelt die Unterscheidung der Stil-Ebenen von Texten nach historisch variablen Kriterien. Der Begriff bezeichnet die Stilebenen, die jeden Text bestimmen. Daneben waren immer auch alternative Stilbestimmungen möglich. Die Dreistillehre der G. D. hat sich aber als bekannteste durchgesetzt. Die griech.-röm. Rhetorik bezeichnete die drei unterschiedenen Ebenen der Rede mit genus subtile/humile für d…

Generalbass

(718 words)

Author(s): Synofzik, Thomas
G. ist in der Musikpraxis seit dem 17. Jh. eine Art musikalischer Kurzschrift, bei der ein auf Tasten- oder Zupfinstrumenten auszuführender harmonischer Begleitsatz nur durch dessen unterste Stimme in Noten ausgeschrieben wird ( Notierung, musikalische). Die über dieser Bassstimme zu ergänzenden Harmonietöne werden improvisiert ( Improvisation); sie ergeben sich aus standardisierten Fortschreitungsfloskeln oder werden durch ein Intervall-Ziffernsystem angedeutet. Ein einziger Dreiklang benötigte dabei meist nur eine einzige Ziffer. Scho…

Generalbasszeitalter

(704 words)

Author(s): Waczkat, Andreas
Die Musikgeschichtsschreibung hat seit dem frühen 20. Jh. die Versuche anderer kulturhistor. Disziplinen zu einer stilgeschichtlichen Darstellung reflektiert, in der abstrahierte gemeinsame Merkmale eines Kanons anerkannter Kunstwerke als wesentlich für eine bestimmte Epoche angesehen werden. Einen entscheidenden Impuls dazu gab Wilhelm Diltheys Einleitung in die Geisteswissenschaften (Leipzig 1883), aus der die Musikgeschichtsschreibung die Konzentration auf den Text des Kunstwerks als eigentlichen Gegenstand der Musikgeschichte abgeleit…

Generalstände

(1,410 words)

Author(s): Bahlcke, Joachim
1. Begriff und Typologie Der auf die seit Anfang des 14. Jh.s zuerst in Frankreich nachweisbaren états généraux zurückgehende Terminus G. verweist in allgemeiner Form auf eine gesellschaftliche Großgruppe, die innerhalb eines politischen Systems ein spezifisches, aufgrund unterschiedlicher rechtlicher, ökonomischer und sozialer Rahmenbedingungen regional zwangsläufig variierendes Recht auf Teilhabe an Herrschaft beanspruchte. In Abgrenzung von den in sachlicher und funktionaler Hinsicht mitunter schwer zu unterscheidenden Provinzialständen des e…

Generationen

(1,758 words)

Author(s): Kondratowitz, Hans-Joachim von
1. Ambivalenz zwischen Natur- und Gesellschaftsperspektive In der Nz. wurde die Ausdifferenzierung eines eigenständigen G.-Konzepts von einer charakteristischen Spaltung und begrifflichen Ambivalenz bestimmt: der Spaltung zwischen einem durch biologisch fundierte Natürlichkeitskriterien und einem durch gesellschaftliche Beziehungen definierten Bedeutungsraum, der ab dem späten 18. Jh. zunehmend an Dominanz gewann. Die Naturperspektive wird in einem heute kaum mehr präsenten Wortgebrauch sichtbar, nach dem G. (vgl. lat. generare; »erschaffen«, »erzeugen«) v.…

Generationenbewusstsein

(818 words)

Author(s): Kondratowitz, Hans-Joachim von
Die Entstehung eines G. ging in der Nz. mit epochalen Krisenerfahrungen infolge der Auflösung überkommener Berechenbarkeiten einher. Dies traf sicherlich für die Kulturkrise im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) zu, deren Verarbeitung sich bes. in lit. und biographischen Zeugnissen ausdrückte [4]; [5]. Diese Quellen maßen einen neuen, bisher so nicht gekannten Erfahrungsraum aus, der von nicht endender Gewalt und unmittelbarer Todesnähe bestimmt war [8]. Diese neue Qualität existentieller Unsicherheit trennte die dichterischen Beobachter v…

Generationenkonflikt

(695 words)

Author(s): Kondratowitz, Hans-Joachim von
1. Bezugsrahmen Das nzl. Generationsverständnis ist charakterisiert durch seine Ambivalenz zwischen einer dominant genealogischen Deutungslinie und einer synchronen Kulturalisierung, die in der Zeit um 1800 begann, den Generationsbegriff umzuformen und ihm neue Bedeutungsebenen zu erschließen (vgl. Generationen). Es wäre zu erwarten, dass aus einer solchen Neujustierung auch ein deutlicheres Bewusstsein und eine stärkere Akzentuierung all jener Veränderungen resultieren würde, die dadurch in den generationellen Verhältnissen erkennbar wurden. Konflikte zwisch…

Generationentransfer

(1,053 words)

Author(s): Kondratowitz, Hans-Joachim von
1. Bezugsrahmen Die Gewähr eines Transfers von Eigenschaften, Anlagen und Qualitäten unterschiedlicher Art ist konstitutiv für den Generationen-Begriff der Nz. Das charakteristische Oszillieren des Generationsverständnisses im 17. und 18. Jh. zwischen der noch starken Dominanz des genealogischen Diskurses (Genealogie) und der zunehmenden Ausformung einer soziokulturellen Sichtweise erlaubte eine Vielfalt von Konzepten, die um die Figur der Weitergabe kreisen. Diese Mehrdeutigkeit der Generationsverständigung zeigt sich in den zeitgenössischen Begriffe…

Genie

(2,040 words)

Author(s): Aurnhammer, Achim
1. Definition Der G.-Begriff, im 18. Jh. eine zentrale ästhetische Kategorie, hat eine lange, noch ungenügend erforschte Vorgeschichte. Schon die frühnzl. Poetik beschränkte sich nicht auf das Postulat der »Nachahmung« (lat. imitatio; vgl. Mimesis), sondern würdigte in der komplementären Forderung nach einem schöpferischen »Wettstreit« mit klassischen antiken Vorbildern (lat. aemulatio) auch das eigenständige künstlerische Schaffen. Die schöpferische Anlage, speziell die göttliche Begabung eines »Mustergeists« zu Dichtung und Kunst, wurde in …

Genossenschaft

(10 words)

s. Korporation

Genozid

(15 words)

s. Demographische Katastrophe | Indianerpolitik | Kolonialismus

Genrebild

(1,931 words)

Author(s): Kepetzis, Ekaterini
1. Einleitung G. zeigen Szenen aus dem (zumeist zeitgenössischen) Alltag: Motive aus dem Bauern-, Küchen- oder Wirtshausmilieu, aus den Freizeitvergnügungen und Kinderspielen sowie aus dem bürgerlichen Lebensumfeld. Bis ins 18. Jh. herrschen erotische und moralisierende Tendenzen vor, nicht selten verknüpft mit Mitteln der Karikatur. Vom Historienbild und dem Porträt unterscheidet sich das G. darüber hinaus durch die zumeist typisierten Figuren [6. 13–46]; [10. 2]. Der Begriff Genre geht auf lat. genus (»Gattung«) zurück und bezeichnet ursprünglich (analog zu den…

Gentleman

(919 words)

Author(s): Heyl, Christoph
Der ab dem 13. Jh. nachweisbare Begriff G. (mittelengl. gentilman) bezeichnete ursprgl. einen Mann von edler Geburt, dem es zustand, ein Wappen zu führen, der aber kein Aristokrat war; insofern ging der Terminus von Anfang an nicht in den kontinentaleurop. Kategorien auf: »G.« überschnitt sich funktional mit dem (insbes. niederen) Adel Kontinentaleuropas, unterschied sich aber zugleich in mehrfacher Hinsicht von diesem. Der G. stand über der Sphäre der Erwerbs-Arbeit, insbes. der manuellen Arbeit, da er über ererbten Besitz, v. a. Landbesitz…

Genussmittel

(938 words)

Author(s): Teuteberg, Hans Jürgen
1. Zur sachlichen Abgrenzung G. sind natürlich vorkommende und gewerblich weiterverarbeitete Stoffe, welche das Nervensystem, den Blutkreislauf und den Stoffwechsel anregen sowie die Nahrung schmackhafter und bekömmlicher machen. Sie werden in Speisen ( Zucker, Gewürze), als Heißgetränke ( Kaffee, Tee, Kakao) oder als »geistige Getränke« (Bier, Wein, Spirituosen) bzw. als Narkotika ( Tabak, Opiate) genossen (vgl. Opium; Drogenkonsum). Vielen G. ist gemeinsam, dass sie das Kraftgefühl kurzfristig verstärken; bei längerem Konsum kann die Wirkung aber wieder abnehmen. Der s…

Geodäsie

(1,115 words)

Author(s): Epple, Moritz
1. Traditionen und Anfänge im 16. Jh. Die Vermessung der Erde, gestützt auf optische, astronomische und math. Verfahren und Instrumente, bildete einen bedeutenden Strang der neuen europ. Naturwissenschaft des 16. und 17. Jh.s. Von ökonomischer, militärischer und politischer Bedeutung und eng verknüpft mit der Navigation zur See, lieferte sie mehrfach Anlass und Anwendungsfeld naturwiss. Innovationen. Die Anfänge der nzl. G. liegen im Bereich der Herstellung von Karten und Globen (Kartographie) [3], die weit in frühere Kulturen zurückreichte und vor der Entfaltun…

Geographie

(2,237 words)

Author(s): Schröder, Iris
1. Begriff Im wörtlichen Sinne bedeutet G. »Erdbeschreibung« (griech. geographía). Zusammen mit der Astronomie ist sie Teilgebiet der Kosmographie, der Lehre vom Kosmos. Seit der Antike umfasst G. im engeren Sinne eine gelehrte Wissenstradition, die sich auf die Beschreibung der Erde als Ganze, insbes. auf die Beschreibung der physischen Erdoberfläche bezieht; im weiteren Sinne betrifft geographisches (= geogr.) Wissen ein populäres und praktisches Wissensgebiet, das in der Nz. eng mit dem Aufkommen mode…

Geologie

(2,095 words)

Author(s): Fritscher, Bernhard
1. Mineralogie und Meteorologie Die G., die Wissenschaft vom Aufbau und der Geschichte der Erde, ist eine Erfindung der Nz. Als eigenständige Disziplin (Disziplinen, gelehrte) war sie ein Produkt der bürgerlichen Kultur und der nationalstaatlichen Bestrebungen des späten 18. und des 19. Jh.s. Gleichwohl reichen viele ihrer Fragen bis in die Antike zurück. Die Entstehung der Gesteine und der Gebirge, die Veränderungen in der Verteilung von Land und Meer, Erosion und Sedimentation, die Ursachen der Erdbeben und der Vulkane etc. wurden bis zur Mitte des 18. Jh.s v. a. im …

Geometrie

(3,679 words)

Author(s): Epple, Moritz
1. Historische Entwicklung: Überblick Die G. – das math. Studium ebener und räumlicher Figuren – galt in der wiss. Tradition der um das Mittelmeer angesiedelten Kulturen seit der griech. Antike als Inbegriff einer exakten, ihre Resultate auf präzise formulierten Voraussetzungen gründenden und streng beweisenden Wissenschaft. Zugleich bildete sie – die Arithmetik in dieser Hinsicht lange übertreffend – deren mächtigste Sprache zur Beschreibung von Größenverhältnissen aus, von der unmittelbaren Messun…

Geozentrisches Weltbild

(1,521 words)

Author(s): Beuttler, Ulrich
1. Allgemein Die Ersetzung des G. W. durch das heliozentrische Weltbild war keine »wissenschaftliche Revolution« ( Kant), sondern ein langwieriger und zögerlicher Prozess der Umformung und Assimilation, der mit N. Kopernikus begann [7]; [20] und sich bis zu I. Newton und P. S. de Laplace hinzog (vgl. Kopernikanische Wende). Bis 1600 gab es gerade eine Handvoll Kopernikaner ( Rheticus, M. Maestlin, J. Kepler, G. Galilei), bis zum Ende des 17. Jh.s wurde das Modell des G. W. als astronomisch völlig gleichwertig diskutiert, erst um 1760 war der Kopernikanismus unangefochten; em…

Gerberei

(10 words)

s. Lederproduktion
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